Hannover Friedhof

Friedhöfe in Hannover

Hannover zählt mit über einer halben Million Einwohnern zu den fünfzehn größten deutschen Städten. Die Stadt wurde im 12. Jahrhundert gegründet und bald zu einem wichtigen Verkehrs-, Handels- und Verwaltungszentrum in Norddeutschland. Zwischen 1814 und 1866 war Hannover die Hauptstadt des gleichnamigen Königreichs, danach Hauptstadt einer preußischen Provinz und nach dem Zweiten Weltkrieg schließlich Landeshauptstadt von Niedersachsen. Trotz einer wechselvollen Geschichte hat die Stadt an der Leine ihre Bedeutung als Verkehrsknotenpunkt und Wirtschaftsstandort behauptet. Hannover zählt heute zu den wichtigsten Messestädten Deutschlands und ist ein wichtiger Knotenpunkt für Bahnverkehr und Binnenschifffahrt. Kulturell und architektonisch ist Hannover mit vielen Renaissance- und Jugendstilbauten stark vom repräsentativen Geschmack des 19. Jahrhunderts geprägt, jener Zeit, in der sich Hannover zur Großstadt entwickelte.

Überblick über die Friedhofslandschaft Hannovers

Das Erbe des 19. Jahrhunderts spiegelt sich auch in der Sepulchralkultur der Stadt. Viele der größeren Friedhöfe Hannovers wurden in dieser Epoche angelegt und kontinuierlich erweitert. Sie vermitteln einen Eindruck der Gartenbaukunst und der Begräbniskultur des 19. Jahrhunderts, weil sie in großen Teilen original erhalten wurden. So ist ein Spaziergang durch einige von Hannovers Friedhöfen gleichbedeutend mit einem Ausflug in die Stadtgeschichte. Wegen ihrer Größe und naturnahen Gestaltung mit vielen Bäumen und Grünflächen sind die Friedhöfe der Landeshauptstadt zudem wichtige Naherholungsgebiete und bilden eine „grüne Lunge“ für das Stadtzentrum. Nicht vergessen sollte man allerdings, dass die Friedhöfe in städtischer Trägerschaft mehr sind als Erholungsgebiete und Kulturdenkmäler. Sie sind Orte von Trauer, Erinnerung und Gedenken, weshalb dort strenge Friedhofsordnungen gelten, die unbedingt zu beachten sind. Insgesamt unterhält die Stadt Hannover 19
Friedhöfe, die eine Gesamtfläche von 278 Hektar umfassen. Auf allen Friedhöfen befinden sich ungefähr 135.000 Grabstellen. Der Stadtfriedhof Engesohde ist der älteste Friedhof der Stadt. Er verfügt über viele alte und plastisch gestaltete Grabdenkmäler und zahlreiche Mausoleen. Zu den größten Friedhöfen Hannovers gehören der Stadtfriedhof Stücken, der Stadtfriedhof Ricklingen und der Stadtfriedhof Seelhorst, der mit 63 Hektar der flächenmäßig Größte ist. Während der Stadtfriedhof Lahe erst 1968 angelegt wurde, gibt es in Hannover viele Friedhöfe, deren Geschichte man bis in die Frühe Neuzeit zurück verfolgen kann. Dazu gehören der Sankt Nikolai Friedhof, auf dem sich das älteste Gebäude der Stadt befindet, der Gartenfriedhof und der Neustädter Friedhof. Die beiden jüdischen Friedhöfe an der Oberstraße und der Strangriede werden nicht mehr genutzt. Sie dienen als Parkgelände, ebenso wie der Bergfriedhof, auf dessen Gelände sich ein botanischer
Garten befindet. Mit dem Sankt Nikolai Friedhof, dem Stadtfriedhof Seelhorst und dem alten Jüdischen Friedhof an der Oberstraße sollen im Folgenden die drei kulturhistorisch bedeutendsten Friedhöfe Hannovers kurz vorgestellt werden.

Der Sankt Nikolai Friedhof

Der Sankt Nikolai Friedhof befindet sich in der Innenstadt am Klagesmarkt. Er wurde bereits im Mittelalter um die Nikolaikapelle angelegt, die heute Hannovers ältestes Bauwerk ist. Der Sankt Nikolai Friedhof verfügt über einige bedeutende und aufwändig gestaltete Grabdenkmäler. Ganz besonders sticht das Denkmal zum Gedenken an den Dichter Ludwig Christoph Heinrich Hölty mit seiner schönen Bronzestatue heraus. Der Sankt Nicolai Friedhof wurde 1866 geschlossen und in einen Park umgestaltet. Die vielen außergewöhnlichen Grabdenkmale aus den Renaissancezeit blieben erhalten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Friedhof jedoch durch Straßenbauprojekte zerschnitten und verkleinert. Von der Nikolaikapelle ist nur noch eine Ruine vorhanden.

Der Stadtfriedhof Seelhorst

Der Stadtfriedhof Seelhorst ist der größte Friedhof Hannovers. Er wurde 1920 im Stadtteil Seelhost angelegt. Er wurde als Flächenfriedhof mit einer axialen Gestaltung angelegt. Quer über den Friedhof führt eine 400 Meter lange Lindenallee, die dem Gelände einen parkähnlichen Charakter verleiht. Weitere Alleen mit Eichen, Buchen und Kastanien kamen im Laufe der Zeit hinzu. Die einzelnen Grabstätten sind mit 1,5 Meter hohen Hecken abgegrenzt. Der Friedhof Seelhorst wurde mit einem Krematorium im expressionistischen Stil ausgestattet, weil damals die Zahl der Feuerbestattungen stark zunahm.

Der alte Jüdische Friedhof an der Oberstraße

Der Jüdische Friedhof an der Oberstraße wurde um 1550 eröffnet und war bis 1864 der Begräbnisplatz der hannoverschen Juden. Er liegt auf einem Dünenhügel in der Nordstadt und ist mit einer hohen Mauer umgeben. Auf recht engem Raum drängen sich hier ca. 700 erhaltene Grabstätten zusammen. Viele bedeutende Persönlichkeiten der jüdischen Gemeinde Hannovers und aus dem Umland wurden hier bestattet, darunter die Vorfahren Heinrich Heines. Nach der Eröffnung des neuen Jüdischen Friedhofs an der Strangriede wurde der schon lange überfüllte Friedhof an der Oberstraße geschlossen und als Kulturdenkmal erhalten. Er überstand die Zeit des Dritten Reiches weitgehend unbeschädigt und ist bis heute eines der wichtigsten Zeugnisse jüdischer Kultur in Hannover.


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